Boten des Sturms - Teil 2
Verfasst: Am 26.12.2009 um 03:15:05 Uhr von martin
26. Dezember:
Das Wetter hatte sich beruhigt. Es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen und die Dezembersonne strahlte auf Pfützen, die das letzte Eis nach seinem Schmelzen hinterlassen hatte.
Zwei unauffällige Männer saßen in Mitten des bunten Treibens im Cafe am Kröpcke. Sie hatten gerade Platz genommen.
"Ich verstehe dich nicht. Der ganze Wirbel. Es ist doch egal, was du fühlst; deine ganze Sinneswahrnehmung hin oder her, die Realität ist sowieso etwas völlig anderes. Etwas, was wir nie in seiner ganzen Reinheit erleben werden - da stimmst du mir üblicherweise ja auch zu, oder?", begann der Linke der beiden das Gespräch bereits, während er sich aus seinem Mantel befreite.
"Jaja, ist schon richtig. Aber du weißt, dass ich nicht von so etwas wie "Hunger" oder "Müdigkeit" rede. Es war wieder da. Und da bin ich mir sicher.", erwiderte der andere Mann, der Platz genommen hatte, ohne seine Jacke auszuziehen.
"Mortimer, ernsthaft. Du weißt, welcher Tag heute ist oder ist dir in deinem Gefühlschaos das Zeitgefühl abhanden gekommen?", meinte der andere Mann, der inzwischen die Karte studierte.
"Ich weiß, ich weiß. Zweiter Weihnachtsfeiertag, blablabla...", Mortimer machte eine ungenaue Geste.
"Blablabla. Weihnachten ist für dich Blablabla? Das kann ich zwar verstehen - aber trotzdem: Muss das sein. Der Sturm, wie du es bezeichnet hast, ist doch auch schon wieder vorbei. Schau doch", er deutete aus dem Fenster, "alles ist vollkommen ruhig.". "Eben, Thom. Es ist ruhig - zu ruhig, wenn du mich fragst.", Mortimer starrte in den blauen Himmel. "So ein Quatsch. Das Wetter ist doch ständig so. Heute Sonne und blauer Himmel - und ich fühle", Thom machte eine Handbewegung, die man von Wahrsagerinnen kennt, die ihre Vorhersage über ihrer Kristallkugel damit ankündigen, "dass es morgen wieder regnet...", lachte er.
Mortimer wandte die Augen vom Himmel ab und bohrte den Blick in das Antlitz von Thom.
"Lach nur. Du weißt, dass ich mich dabei nicht irre. Man erinnere sich an das letzte Mal."
"Ja gut. Ich muss gestehen, dass die Sache mit dem Regen und dem Eis mich auch etwas nervös gemacht hat. Aber musstest du mich deshalb heute unbedingt aus dem Bett klingeln? Naja - ich kenn dich ja, du brauchst nicht zu antworten. Aber jetzt frühstücken wir erstmal. Was nimmst du?", fragte Thom - ohne Antwort zu erhalten.
Mortimer starrte erneut gen Himmel und schien das Cafe mental bereits verlassen zu haben.
Thom seufzte, winkte eine Kellnerin heran und bestellte zwei Espresso.
Währenddessen trafen sich acht Gestalten an einem verlassenen Küstenabschnitt und gingen langsamen Schrittes auf ein größeres Stück Buschwerk zu, dass aus der flachen Landschaft emporragte, als gehöre es hier nicht in diese Gegend. Die Gestalten verschwanden darin und
kurz darauf überzogen Wolken den bis dahin blauen Himmel.
In Hannover strahlte immernoch die Sonne, als die Zwei das Cafe verließen. "Ist dein Auto hier?", fragte Mortimer. "Nein, es steht noch bei meiner Schwester. Aber wir können das Auto eines Freundes nehmen - komm mit.", sagte Thom und zog Mortimer hinter sich her, "er wohnt gleich um die Ecke.". Tatsächlich erreichten sie das Haus nach nur zwei Straßenecken und der besagte Freund war auch da. Nur war er nicht bereit, das Auto herauszugeben.
"Du weißt ganz genau, dass ich keine Winterreifen habe, Thom." - "Ja. Aber das Wetter ist im Moment ja nicht gerade besonders winterlich.", entgegnete Thom. "Winterreifen hin oder her, wir brauchen das Auto dringend. Es geht um Einiges!", warf Mortimer ungeduldig ein. "Aha? Um was denn?", fragte der über diesen unangekündigten Besuch sichtlich unerfreute Mann ihn skeptisch. "Wenn wir dir das erzählen, hältst du uns für bescheuert", brummte Thom. Der Mann, der in seinem Bademantel in der Tür stand grinste: "Och, dafür halte ich dich sowieso - und deinen Freund da kenne ich noch nicht mal. Außerdem: Wer will hier wessen Auto?"
Mortimer rollte mit den Augen, griff Thom am Arm und zischte dem Fremden entgegen: "Danke für gar nichts - frohe Weihnachten und viel Spaß noch. Wir haben besseres zu tun, als irgendwelchen Leuten Dinge zu erzählen, die sie nicht verstehen. Tschüss.".
Thom lächelte seinem Bekannten etwas unsicher zu und ließ sich von Mortimer mitreißen, um hinter der nächsten Ecke entgeistert zu fragen: "Spinnst du? Wie sollen wir jetzt..." - aber Mortimer unterbrach ihn: "Lass das mal meine Sorge sein, für den Augenblick.". Er zog Thom ins Parkhaus hinter dem Bahnhof.
Ein Mann hatte seinen Wagen gerade aus der Parkposition herausmanövriert, als zwei Männer vor seinem Wagen standen, einer kam auf ihn zu gelaufen und zog ihn, mit der Situation völlig überfordert, aus dem Wagen, während der andere auf der Beifahrerseite Platz nahm. Und so schnell, wie sie aufgetaucht waren, rauschten sie nun auch davon. Alles Schreien half nichts, sie waren weg.
"Du bist bescheuert. Du bist.... halt an. HALT JETZT AN.", Thom versuchte das Lenkrad zu ergreifen, aber Mortimer wehrte sich.
"Du bist nicht mehr ganz bei Trost, mein Lieber. Klaut der ein Auto am helligten Tage - mitten in der City! Wegen Wind!", Thom rang nach Luft.
"Und Eis. Und Regen. Vergiss das nicht. Und du weißt, dass ich mich da nicht irre. Sonst wärst du heute morgen nicht gekommen.", zischte Mortimer.
"Aber wir kommen mit der geklauten Karre nicht bis Göttingen. Das weißt du, das weiß ich, das weiß der arme Tropf, dem du gerade Weihnachten versaut hast.", Thom starrte Mortimer an. Er hatte ihn noch nie so erlebt. "Mortimer? Was vermutest du? Wegen Wind und Eis machst du..." - "Und Regen. Vergiss den Regen nicht", unterbrach ihn Mortimer. "Jaja - wegen solcher Kinkerlitzchen klaust du kein Auto. Was war los?", fragte Thom, trotz der jüngsten Ereignisse klar und souverän, wie immer.
Mortimer schilderte seine Vermutungen und Gefühle, während sie sich mit hohem Tempo Göttingen näherten. In Göttingen ließen die beiden das Auto auf einem etwas abgeschiedenen Parkplatz am Rande eines Gewerbegebietes stehen und liefen etwa einen Kilometer stadteinwärts.
An ihrem Ziel angelangt wurden sie bereits erwartet: "Mortimer, Thom - schön euch zu sehen. Naja. Unter den Umständen eher weniger schön.", sagte ein älterer Mann, der sie in Empfang nahm.
"Woher...", begann Mortimer und unterbrach sich selbst, "nein. Schon gut. Dumme Frage. Ganz dumme Frage. Immerhin hast du mir beigebracht, meine Gefühle richtig zu deuten.". "Eben.", kommentierte der Alte, bevor er sich Thom zuwandt: "Und was machst du hier?". Thom war sichtlich erleichter, dass die Autofahrt sie nicht ins Gefägnis gebracht hatte - zumindest noch nicht - und sagte leicht beschwingt: "Och, weißt du - ich dachte mir: Du könntest den Professor besuchen. Und da hab ich dir deinen Schüler gleich mitgebracht.". Der Professor lachte: "Ach Thom, wie früher, wie früher. Nun gut, kommt! Wir sollten keine Zeit verlieren. Ich muss euch etwas zeigen.".
Die drei stiegen eine Treppe hinauf und gelangten in einen großen Raum, dessen Wände nur aus Monitoren und Karten zu bestehen schienen.
Der Professor keuchte: "Mir sind - in den letzten Tagen - einige - Annomalien aufgefallen. Immer Regen - Eis und" "Wind", beendete Mortimer den Satz für ihn und richtete seinen Blick auf Thom, der aber auf eine Karte blickte.
"Du hast es gefühlt, nicht wahr?", fragte der Professor. "Ja, aber ich war mir nicht sicher, ob es wirklich vom Orchester kommt.", sagte Mortimer und nahm sich einen Stuhl aus einer Ecke des Raumes.
Thom wandte den Blick von der Karte ab und sah zu Mortimer herüber. Nach einer kurzen Pause schüttelte er den Kopf und meinte: "Aber es ist zerstört. Wir haben es zerstört. Es kann nicht einmal mehr quietschen. Geschweige denn die Melodien hervorbringen.".
Der Professor saß am Rechner und druckte mehrere Blätter mit Satellitenaufnahmen aus. "Wer spricht von "dem" Orchester? Schaut euch das hier bitte an. Und achtet auf die Zeitangaben.", er drückte Thom die Blätter in die Hand.
Mortimer stand auf und stellte sich neben Thom, um auch einen Blick auf die Blätter zu erhaschen. "Das sind ja nur Minuten. Das ist unmöglich!", rief Thom.
Mortimer schüttelte den Kopf: "Ist es nicht. Da siehst du es. Aber warum sind einige der Aufnahme von Usedom und andere von Fehmarn?", fragte Mortimer irritiert.
"Ganz einfach, aber das könnt ihr so nicht wissen.", sagte der Professor ruhig, während er zu ihnen ging, "die eine Wolkenformation hat zu Schnee geführt, die andere zu Regen. Beiden ist ein starker Wind vorausgegangen."
"Das heißt, es gibt zwei?", fragte Mortimer fast stimmlos. "Mindestens. Wer weiß, wo es sonst noch auftauchen kann. Wir haben hier nur eben diese zwei Orte erwischt", gab der Professor zurück.
"Na toll. Das heißt, sie haben nun mehr Leute.", brummte Thom. "Woher willst du das wissen?", Mortimer sah ihn beunruhigt an. "Ganz einfach. Um das da und das da", Thom deutete auf die Bilder, "zu erzeugen brauchst du mehr als fünf."
"Oder sie sind stärker", gab der Professor zu bedenken. "Wir hatten es gestern auch bei uns. Aber alles drei.", hauchte Mortimer. "Wie der Professor schon meinte: Mindestens zwei", knirschte Thom.
"Gut, heute Abend können wir nicht viel tun", der Professor schob Mortimer und Thom zur Tür des Zimmers, "geht besser schlafen - die Gästezimmer sind bereit. Ich werde heute Nacht die Satelliten im Blick behalten. Schlaft euch aus - ihr werdet es brauchen!".
- Ende Teil 2 -
Das Wetter hatte sich beruhigt. Es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen und die Dezembersonne strahlte auf Pfützen, die das letzte Eis nach seinem Schmelzen hinterlassen hatte.
Zwei unauffällige Männer saßen in Mitten des bunten Treibens im Cafe am Kröpcke. Sie hatten gerade Platz genommen.
"Ich verstehe dich nicht. Der ganze Wirbel. Es ist doch egal, was du fühlst; deine ganze Sinneswahrnehmung hin oder her, die Realität ist sowieso etwas völlig anderes. Etwas, was wir nie in seiner ganzen Reinheit erleben werden - da stimmst du mir üblicherweise ja auch zu, oder?", begann der Linke der beiden das Gespräch bereits, während er sich aus seinem Mantel befreite.
"Jaja, ist schon richtig. Aber du weißt, dass ich nicht von so etwas wie "Hunger" oder "Müdigkeit" rede. Es war wieder da. Und da bin ich mir sicher.", erwiderte der andere Mann, der Platz genommen hatte, ohne seine Jacke auszuziehen.
"Mortimer, ernsthaft. Du weißt, welcher Tag heute ist oder ist dir in deinem Gefühlschaos das Zeitgefühl abhanden gekommen?", meinte der andere Mann, der inzwischen die Karte studierte.
"Ich weiß, ich weiß. Zweiter Weihnachtsfeiertag, blablabla...", Mortimer machte eine ungenaue Geste.
"Blablabla. Weihnachten ist für dich Blablabla? Das kann ich zwar verstehen - aber trotzdem: Muss das sein. Der Sturm, wie du es bezeichnet hast, ist doch auch schon wieder vorbei. Schau doch", er deutete aus dem Fenster, "alles ist vollkommen ruhig.". "Eben, Thom. Es ist ruhig - zu ruhig, wenn du mich fragst.", Mortimer starrte in den blauen Himmel. "So ein Quatsch. Das Wetter ist doch ständig so. Heute Sonne und blauer Himmel - und ich fühle", Thom machte eine Handbewegung, die man von Wahrsagerinnen kennt, die ihre Vorhersage über ihrer Kristallkugel damit ankündigen, "dass es morgen wieder regnet...", lachte er.
Mortimer wandte die Augen vom Himmel ab und bohrte den Blick in das Antlitz von Thom.
"Lach nur. Du weißt, dass ich mich dabei nicht irre. Man erinnere sich an das letzte Mal."
"Ja gut. Ich muss gestehen, dass die Sache mit dem Regen und dem Eis mich auch etwas nervös gemacht hat. Aber musstest du mich deshalb heute unbedingt aus dem Bett klingeln? Naja - ich kenn dich ja, du brauchst nicht zu antworten. Aber jetzt frühstücken wir erstmal. Was nimmst du?", fragte Thom - ohne Antwort zu erhalten.
Mortimer starrte erneut gen Himmel und schien das Cafe mental bereits verlassen zu haben.
Thom seufzte, winkte eine Kellnerin heran und bestellte zwei Espresso.
Währenddessen trafen sich acht Gestalten an einem verlassenen Küstenabschnitt und gingen langsamen Schrittes auf ein größeres Stück Buschwerk zu, dass aus der flachen Landschaft emporragte, als gehöre es hier nicht in diese Gegend. Die Gestalten verschwanden darin und
kurz darauf überzogen Wolken den bis dahin blauen Himmel.
In Hannover strahlte immernoch die Sonne, als die Zwei das Cafe verließen. "Ist dein Auto hier?", fragte Mortimer. "Nein, es steht noch bei meiner Schwester. Aber wir können das Auto eines Freundes nehmen - komm mit.", sagte Thom und zog Mortimer hinter sich her, "er wohnt gleich um die Ecke.". Tatsächlich erreichten sie das Haus nach nur zwei Straßenecken und der besagte Freund war auch da. Nur war er nicht bereit, das Auto herauszugeben.
"Du weißt ganz genau, dass ich keine Winterreifen habe, Thom." - "Ja. Aber das Wetter ist im Moment ja nicht gerade besonders winterlich.", entgegnete Thom. "Winterreifen hin oder her, wir brauchen das Auto dringend. Es geht um Einiges!", warf Mortimer ungeduldig ein. "Aha? Um was denn?", fragte der über diesen unangekündigten Besuch sichtlich unerfreute Mann ihn skeptisch. "Wenn wir dir das erzählen, hältst du uns für bescheuert", brummte Thom. Der Mann, der in seinem Bademantel in der Tür stand grinste: "Och, dafür halte ich dich sowieso - und deinen Freund da kenne ich noch nicht mal. Außerdem: Wer will hier wessen Auto?"
Mortimer rollte mit den Augen, griff Thom am Arm und zischte dem Fremden entgegen: "Danke für gar nichts - frohe Weihnachten und viel Spaß noch. Wir haben besseres zu tun, als irgendwelchen Leuten Dinge zu erzählen, die sie nicht verstehen. Tschüss.".
Thom lächelte seinem Bekannten etwas unsicher zu und ließ sich von Mortimer mitreißen, um hinter der nächsten Ecke entgeistert zu fragen: "Spinnst du? Wie sollen wir jetzt..." - aber Mortimer unterbrach ihn: "Lass das mal meine Sorge sein, für den Augenblick.". Er zog Thom ins Parkhaus hinter dem Bahnhof.
Ein Mann hatte seinen Wagen gerade aus der Parkposition herausmanövriert, als zwei Männer vor seinem Wagen standen, einer kam auf ihn zu gelaufen und zog ihn, mit der Situation völlig überfordert, aus dem Wagen, während der andere auf der Beifahrerseite Platz nahm. Und so schnell, wie sie aufgetaucht waren, rauschten sie nun auch davon. Alles Schreien half nichts, sie waren weg.
"Du bist bescheuert. Du bist.... halt an. HALT JETZT AN.", Thom versuchte das Lenkrad zu ergreifen, aber Mortimer wehrte sich.
"Du bist nicht mehr ganz bei Trost, mein Lieber. Klaut der ein Auto am helligten Tage - mitten in der City! Wegen Wind!", Thom rang nach Luft.
"Und Eis. Und Regen. Vergiss das nicht. Und du weißt, dass ich mich da nicht irre. Sonst wärst du heute morgen nicht gekommen.", zischte Mortimer.
"Aber wir kommen mit der geklauten Karre nicht bis Göttingen. Das weißt du, das weiß ich, das weiß der arme Tropf, dem du gerade Weihnachten versaut hast.", Thom starrte Mortimer an. Er hatte ihn noch nie so erlebt. "Mortimer? Was vermutest du? Wegen Wind und Eis machst du..." - "Und Regen. Vergiss den Regen nicht", unterbrach ihn Mortimer. "Jaja - wegen solcher Kinkerlitzchen klaust du kein Auto. Was war los?", fragte Thom, trotz der jüngsten Ereignisse klar und souverän, wie immer.
Mortimer schilderte seine Vermutungen und Gefühle, während sie sich mit hohem Tempo Göttingen näherten. In Göttingen ließen die beiden das Auto auf einem etwas abgeschiedenen Parkplatz am Rande eines Gewerbegebietes stehen und liefen etwa einen Kilometer stadteinwärts.
An ihrem Ziel angelangt wurden sie bereits erwartet: "Mortimer, Thom - schön euch zu sehen. Naja. Unter den Umständen eher weniger schön.", sagte ein älterer Mann, der sie in Empfang nahm.
"Woher...", begann Mortimer und unterbrach sich selbst, "nein. Schon gut. Dumme Frage. Ganz dumme Frage. Immerhin hast du mir beigebracht, meine Gefühle richtig zu deuten.". "Eben.", kommentierte der Alte, bevor er sich Thom zuwandt: "Und was machst du hier?". Thom war sichtlich erleichter, dass die Autofahrt sie nicht ins Gefägnis gebracht hatte - zumindest noch nicht - und sagte leicht beschwingt: "Och, weißt du - ich dachte mir: Du könntest den Professor besuchen. Und da hab ich dir deinen Schüler gleich mitgebracht.". Der Professor lachte: "Ach Thom, wie früher, wie früher. Nun gut, kommt! Wir sollten keine Zeit verlieren. Ich muss euch etwas zeigen.".
Die drei stiegen eine Treppe hinauf und gelangten in einen großen Raum, dessen Wände nur aus Monitoren und Karten zu bestehen schienen.
Der Professor keuchte: "Mir sind - in den letzten Tagen - einige - Annomalien aufgefallen. Immer Regen - Eis und" "Wind", beendete Mortimer den Satz für ihn und richtete seinen Blick auf Thom, der aber auf eine Karte blickte.
"Du hast es gefühlt, nicht wahr?", fragte der Professor. "Ja, aber ich war mir nicht sicher, ob es wirklich vom Orchester kommt.", sagte Mortimer und nahm sich einen Stuhl aus einer Ecke des Raumes.
Thom wandte den Blick von der Karte ab und sah zu Mortimer herüber. Nach einer kurzen Pause schüttelte er den Kopf und meinte: "Aber es ist zerstört. Wir haben es zerstört. Es kann nicht einmal mehr quietschen. Geschweige denn die Melodien hervorbringen.".
Der Professor saß am Rechner und druckte mehrere Blätter mit Satellitenaufnahmen aus. "Wer spricht von "dem" Orchester? Schaut euch das hier bitte an. Und achtet auf die Zeitangaben.", er drückte Thom die Blätter in die Hand.
Mortimer stand auf und stellte sich neben Thom, um auch einen Blick auf die Blätter zu erhaschen. "Das sind ja nur Minuten. Das ist unmöglich!", rief Thom.
Mortimer schüttelte den Kopf: "Ist es nicht. Da siehst du es. Aber warum sind einige der Aufnahme von Usedom und andere von Fehmarn?", fragte Mortimer irritiert.
"Ganz einfach, aber das könnt ihr so nicht wissen.", sagte der Professor ruhig, während er zu ihnen ging, "die eine Wolkenformation hat zu Schnee geführt, die andere zu Regen. Beiden ist ein starker Wind vorausgegangen."
"Das heißt, es gibt zwei?", fragte Mortimer fast stimmlos. "Mindestens. Wer weiß, wo es sonst noch auftauchen kann. Wir haben hier nur eben diese zwei Orte erwischt", gab der Professor zurück.
"Na toll. Das heißt, sie haben nun mehr Leute.", brummte Thom. "Woher willst du das wissen?", Mortimer sah ihn beunruhigt an. "Ganz einfach. Um das da und das da", Thom deutete auf die Bilder, "zu erzeugen brauchst du mehr als fünf."
"Oder sie sind stärker", gab der Professor zu bedenken. "Wir hatten es gestern auch bei uns. Aber alles drei.", hauchte Mortimer. "Wie der Professor schon meinte: Mindestens zwei", knirschte Thom.
"Gut, heute Abend können wir nicht viel tun", der Professor schob Mortimer und Thom zur Tür des Zimmers, "geht besser schlafen - die Gästezimmer sind bereit. Ich werde heute Nacht die Satelliten im Blick behalten. Schlaft euch aus - ihr werdet es brauchen!".
- Ende Teil 2 -
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